STILE

    Man hat ab einem bestimmten Moment festgelegt, was ungefähr mit dem Auftreten der abstrakten Strömungen zusammenfällt, eine Art von manikürter Auffassung der ästhetischen Strukturen und besonders in der Malerei. Diese Dualität artet in eine Unmenge von Bedeutungen aus, an diese kategorische Teilung gebunden, aber in Wirklichkeit gekünstelt, was Realismus und Abstraktion konfrontiert (und vielleicht feiner gefühlt "gegen Abstraktion").

Die Kritiker und Historiker der Malerei sind übermässig Wissenschaftler geworden und ihr Streben, jedwede kreative Kundgebung zu individualisieren, bringt sie zum Übertriebene zergliedern der Elemente, die sie bilden, sodass sie nicht nur ihre Eigenschaften und Folge ihrer Wechselbeziehungen verlieren, sondern die eigene primäre Einheit, das heisst, Vernunft und Gefühl (klar oder nicht) was ihre Ausarbeitung leitete, und da diese Studie sich nur auf ein paar Figuren beschränkt, ignoriert oder verweist dieser selbe Fachmann den Rest der artistischen Wirklichkeit auf leere Bestätigung oder nicht dem sich ergebenen Anhang. Es stimmt und es ist sogar unumgänglich, dass der Studierende der Kunstwerke aus Notwendikeit der Didaktik und Anordnung sich genötigt sieht, das historische Werden zu brechen, um Kategorien oder Stile in allgemeinen Richtlinien aufzustellen, die uns erlauben Absicht und Vorgehen zu verstehen, die ihre Werke leiteten, manchmal basiert in chronologischen Aspekten, andere Male formell, die meisten Male sozial, aber vergessen wir nicht, dass diese Parzellen fiktive Teilungen sind, künstliche Teilungen, die "eine" Erklärung von "einer" konkreten Sache in "einem" bestimmten Moment und nicht immer "einer linearen Betrachtungsweise entspricht" (sowohl in Zeit und Ort als auch Stil).
Man spricht von klassischer Malerei, von romantischer Malerei, realistische, naturalistische usw. und sind so kategorisch im Aufbau "ihrer"neuen dialektischen Basis, dass es schwierig scheint, eine Komposition in eine andere Dimension, die nicht peinlich genau errichtet wurde, zu stellen. Deshalb hält man es jetzt für eine intellektuelle Aberration, zum Beispiel beurteilen, dass die klassische Malerei grössere Abstraktion geniesst als die zeitgenössische Malerei, dass die romantische Malerei symbolischer ist als die kubistische oder, dass die gotische Malerei akademischer ist als der Akademizismus, nur um ein paar zu zitieren. Tatsächlich mit dem Ablauf der Jahrhunderte, je mehr die Lösung der Malerei offen blieb, haben wir mehr und mehr die stilistischen Abteilungen gestaut. Wenn es schon jetzt für einen aktuellen Chronist ein Problem ist, bei einem klassischen Maler ein Werk mit dem Thema "Gewohnheit" zu akzeptieren, wenn er sich in diesem Jahrhundert bewegen soll, ist das intellektuelle Geschwafel zumindest komisch:

"Der Maler X begann seine artistische Reise mit seinen ersten Bildern mit einem futuristischen" Inhalt von einer "zwanglosen" Perspektive. Nach einem kleinen Gang durch "abstrakten Expressionismus" kamen seine ersten Abstecher im "action-painting", was ihm als Erfahrung diente zum späteren Verständnis und Ausführung seiner besten "pop" Werke. .....Vom "romantischen", "Naturalismus" ging er zum "figürlichen", "klassischen" über, er fiel entsprechend in die Bequemlichkeit, die der manierierte und kalte Akademitismus verkörpert ........"

Die Bemühungen in der Kunst neue Nuancen zu entdecken, entfernt uns nicht nur vonihrer vernünftigen, intuitiven Perspektive, sondern wir vollenden sie verwandelnt in ein unverständliches Amalgam der Konzepte angesichts der zahlreichen Widersprüche, die sich ansammeln. Aber unser Geltungsbedürfnis geht noch weiter, sogar über den Künstler selbst, was uns zu haarsträubenden Situaciones führt. Mehr als genug Beispiele des Staunens von einem Künstler, wenn er von einem Kritiker die endlosen Bedeutungen und Zwecke hört, die der Kritiker in der Konstruktion seines Werkes gefunden hat.

Und gerade hier ist es, dass wir zu einer sehr blutenden Paradoxie der artistischen Gegenwart kommen, wir verfügen über einen ganzen enzyklopädischen Leitfaden von Ausdrücken, die die Kunst der Malerei bilden und es ist das Jahrzehnt, in dem wir zu ihrer Kommunikation die wenigsten Wörter brauchen. In der Gegenwart stellt sich über Galerien, Stiftungen oder Museen eine gefährliche Teilung zwischen zwei einzigen Wörtern her, um uns zu "verständigen": realistische Malerei (Hyperrealistisch für die Fortgeschrittenen) und zeitgenössische Malerei (der Rest, der keine bedeutende Ähnlichkeit mit der formalen Realität hat).

Versuchen wir, diese Konzepte wieder ein wenig aufzunehmen, die die Gegenwart auf so banale Weise vereinfacht hat.
Was ist Realismus? Wenn wir uns an die historische Vision halten, entspräche es den artistischen Bewegungen, die in ihrem symbolischen Repertoire die "realen" Themen einführen, abweichend von den mythologischen, religiösen und fantastischen, um in eine Welt der Persönlichkeiten und Situationen einzudringen, die für gewöhnlich für nicht so wichtig gehalten werden, sie dringen sogar ins Deprimierende und Schäbige ein, als ob es ein Weg wäre, um dem "realen" Leben Ansehen zu geben. Diese Suche ist verbunden mit einer Ablehnung der Idealkunst und hat als Höhepunkt das XIX Jahrhundert mit Coubert. Der Realismus hat mehr eine direkte Relation mit der Thematik als mit dem stilistischen Ablauf, da er sich in der Einführung von Umgebungen, tägliches Verhalten und Persönlichkeiten darstellt, aber er verschmäht arme und zerlumpte Kinder, Bettler, einfache Büglerinnen usw. Natürlich ist dies nichts Neues, man kennt es seit der Antike (ägyptische Bibelschriftgelehrte, holländische häusliche Szenen, die von den Geschichtsforschern "Szenen des Geschlechts" genannt werden; die Einfälle von Goya und Velázquez ins Schadhafte und ins Monströse).
Was ist dann die Neuheit im XIX Jahrhundert? Ist es die Ablehnung der Rokoko "Ausschweifungen", übertriebene Idealisierungen und "Sättigung" der akademischen Doktrinen, wie auch die Auferlegung von sozialen und vermögenden Sektoren ihres Geschmacks, dies mehr in Verbindung mit dekorativen Interessen als mit dem artistischen Ausdruck. Heute hat man diese bürgerliche und aristokratische Geschmacksauferlegung ersetzt durch die Diktatur der Marktgesetze, direkt verbunden mit der Mode und der Werbung, wie auch durch den Geschmack der Massen, die, obwohl sie keine Analphabeten sind, wenig die intellektuellen Auffassungen ergründen, und das Äusserste. das sie verstehen als "originell", ist etwas Niegesehenes, denn sie erwarten nicht, dass es ihnen etwas vermittelt; wie Chesterton sagen würde:sie wären fähig den Himmel für die Hölle zu wechseln, nur weil es eine Neuigkeit ist.

Was ist der Realismus? Wenn wir uns an seine formelle Wahrnehmung halten, kennt man ihn als jene Gattung, deren Motivzusammensetzung mit jedwedem Wesen oder Gegenstand, die uns umgeben, identifizierbar ist, und heute mehr denn je setzt sich die Meinung fest, je mehr optische Ähnlichkeit das Motiv mit dem Modell hat, umso realistischer ist es (eine irrige Auffassung, die in eine kreative, lyrische und fesselnde Lähmung der Malerei mündet und ausserdem den Verlust der eigenen Identität als Kunst mit sich bringt vor ihrer Annäherung an den fotografischen Verlauf).

Und Abstraktion? Was ist abstrakte Kunst: Dem Leser ein Vertrauensvotum gebend, lade ich Sie ein, die im Realismus gebrauchte konzeptuelle Dynamik extra zu konzentrieren und zu versuchen dieses Konzept intuitiv zu konkretisieren, sowohl von seinem formellen Aspekt aus, als auch von seinem theoretischen Aspekt.

 

Aber sogar akzeptierend (was nicht der Fall ist), dass diese Formen "die Malerei" einordnet, der Argwohn des Zuschauers,beim Betrachten eines Gemäldes, stammt gerade von der Auflösung dieser beiden Elemente, Komponente, die in jedweder artistischen Äusserung substanziell sind. Deshalb geht meine eigene Vision beim Beurteilen eines Kunstwerkes von einem versöhnlichen Prinzip aus, und das unter dem Schutz von denen, die die Geschichte, die wir kennen, konstruierten, stelle ich zwei grundlegende Kategorien auf:

Die Idealisierung des Realität. Nimm als Ausgangspunkt die Natur oder jenes, das wir sehen, ausstattend mit einer Reihe von subjektiven Elementen, Seele gebend wer sie nicht hat und das Geistige projektiernd in einer Weise, dass es sich in etwas anderes umwandelt.

Die Verwirklichung einer Idee. Das ist für mich die Essenz und der höhere Stand er Kunst. Als Ausgangspunkt müsste man etwas nehmen, das im Geist des menschlichen Wesens, dem Künstler, auftaucht, und das er in diesem Prozess der Transposition zu Material mit Elementen versieht, die erlauben, dass diese "Idee" eine "Realität" wird, um sich dem Empfänger oder dem Zuschauer nähern zu können, führt man diese Idee so aus, dass in diesem Prozess die Elemente ausdrucksvolle Gestalt annehmen, was die Seele des Kunstwerkes ist. Dies beweisen die Werke, die schon einen Teil unseres denkenden Wesens sind. Jemand stellt sich den Olymp anders vor, als wie man ihn in der Epoche von Pericles "realisiert"? Jemand stellt sich die Sitzordnung beim heilgen Abendmahl anders vor, als wie die Künstler sie anordneten? Also gut, diese "Realisierungen" entsprechen mehr einer kompositiven Anordnung in Verbindung mit der Harmonie, der Schönheit und der Ausdruckskraft, als mit der Realität. Ist es nicht naiv zu denken, dass die Jungfrau Maria sich wirklich mit primären Farben kleidete? Jedenfalls entspricht diese chromatische Anordnung einer harmonischen, kompositiven, ausdrucksvollen Berechnung der Farbe, was ihn seine Idee des Themas aufs bestmögliche “realisieren“ lässt (artistisch gesprochen).
Wenn Miguel Angel eine Skulptur macht, geht die Anatomie von seinen gründlichen Kenntnissen von ihr aus, aber seine Ausdruckskraft in der Ausführung der Idee verziert sie, passt sie zu seinen kompositiven Schemen an, seinen ausdrucksvollen Ruthmen, einen Schritt weitergehend als die Natur, auf dieselbe Art, wie ein Musiker die existierenden Klänge ordnet, die das Universum nicht komponiert, der Künstler ordnet, was ihm die Natur anbietet, er reinigt sie, verwandelt sie und stört sie, um uns etwas Neues zu zeigen, und was ausser einem reinen physischen Komponent und Material auch mit einer Seele versehen ist, eine Idee, die Lubergreift und für uns lebendiger als die Natur selbst ist.

Schlussfolgerungen, die man aus dieser Anordnung ziehen kann?:

  • Sowohl die erste wie auch die zweite Kategorie, das Mittel und das Ende mischen sich, leben zusammen in ihrem entsprechenden Ablauf.

  • Das alles das, was sich nicht an eins der beiden Prinzipien anpasst, erreicht nicht die Kategorie der Malerei als noble Kunst. Tatsächlich weiche ich von dieser politisierten Strömung ab, wo "alles Kunst ist" und "alles güItig ist". Alles ist nicht Kunst, nicht alles ist gültig. Ich beharre darauf, dass dieser Gedankenstrom, beschützt von dem neuen Glossar, den unsere Zeit neudefiniert hat, nicht den gleichen Wert hat als jener, der vor mehr als 30 Jahrhunderten von der Geschichte in einer flüssigen Form definiert wurde. Es ist als wenn man das Ende beim Schach ändern wollte, die Zeit hat sich geändert oder man hat Regeln in seinem Ablauf eingeführt, aber nie machte man die Torheit, seinen Zweck zu ändern (z. B. es gewinnt der, der zuerst alle Figuren isst).

 

Die Malerei ist Kunst und ist Wissenschaft, jedes Werk hat einen subjektiven Teil von mehr oder weniger Lyrik, und einen anderen Teil, die sich nach den äusserlichen Eigenschaften unserer Willenskraft richtet; der Zuschauer ahnt sie, der Maler kennt sie, der Meister beherrscht sie, und nur die Ausgewogenheit von beiden ist, was dem Werk Qualität verleiht.

Unter diesem Kontext, wenn man mich fragt, wie ich meinen Stil selbst definiere, kann ich nur meinen Blick erheben und mich im Meer der Ideen und Realitäten verlieren, durch die mein Werk gereist ist, ich verstumme.
Idealisiere ich die Realität? Ja. Gebe ich den Ideen Realität? Auch. Lebe ich zusammen mit der formellen Realität? J. Verstosse ich dagegen? Auch. Ist mein Pinselstrich verschmolzen? Ja. Lose und unterhaltsam? Auch. Arbeite ich "a la prima"? Ja. Lasurfarben ? Auch. Male ich Landschaften? Ja. Figuren? Auch. So könnte ich in ein Spiel von konkruenten Paradoxen eintreten, genährt von Dutzenden Beispielen, was aber zu guter Letzt entwirft, was ich auf so knappe Weise versucht habe festzustellen, was die Malerei immer bedeutet hat: Kann man die Suche nach einer versöhnenden Kunst als Stil halten? Ja. Kann man der Vereinigung so vieler Konzepte einen Namen geben? Nein (von der heutigen Einstellung der artistischen Gedanken gesehen), aber ja von meinem Gesichtspunkt aus, und dieser Name ist kein anderer als "Malerei".

 Welchen Stil hat meine Malerei? Meine Malerei ist hinter keinem Stil her, sie ist Malerei, nichts weiter.

 

 

 

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